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por Berlino kaj Brandenburgio

Seine : Paris bis St. Mammés 10. / 11. Juni 2010

Die Seine hoch (Paris bis St. Mammés)

Der fluchtartige Aufbruch am Nachmittag des 10. Juni 2010 aus dem Hafenbecken von Arsenal in Paris hatte seinen Preis. Beim rückwärts Ausparken bockte das Boot und der Grund war zu sehen als es zu spät war: Das Kabel für den Landstrom war nicht abgenommen worden. Zum Glück ist nicht viel passiert. Das Kabel löste sich aus dem Stecker und fiel ins Wasser. Als wir das bemerkten war die Schleuse zur Seine schon für uns geöffnet worden und das bedeutete, daß man nicht den kurzen Weg über die Schleusentore gehen konnte, sondern rund um das Hafenbecken laufen mußte. Kabel einsammeln und wieder an Bord.

Inzwischen war aber ein Boot von Canauxrama angekommen und wollte mit in die Schleuse. Es wurde knapp, aber es ging gerade noch. Vorne donnerte die Metro, hinten der Autoverkehr. Auf der Seine war alles frei. Keine Bateaux Muches, die vor der Einfahrt wenden, keine Berufsschiffahrt, die Baustoffe hin und her transportiert. Rasch kam die Brücke am Gare Austerlitz, dann die Nationalbibliothek. Auf dem Kai wurde gerade Paris plage inszeniert mit einem Pool am Rande der Seine. Bis zur Einmündung der Marne und noch ein wenig darüber hinaus begleiteten Baustofflager und Fertigbeton-Werke den Strom auf beiden Seiten. Die Seine wurde nach Einmündung der Marne deutlich schmaler, doch die Ufer blieben urban. Mehrstöckige Wohnbebauung, Industrieanlagen, breite Straßen rechts und links, Eisenbahnen. Hohe gemauerte Kaimauern machen das Anlegen schwer. Der Versuch, billigen Diesel an einer Tankstelle über die Straße zu beschaffen, scheiterte am heftigen Wind, der verhindert, daß man sich der Dalbe mit der Treppe gefahrlos nähern kann.

Die Schleusen an der Seine haben zwei Kammern, die am rechten und linken Ufer liegen. In der Mitte ist das Wehr. Man muß also genau schauen, an welchem Ufer geschleust wird. In die erste Schleuse (Port à l’Anglais, Nr. 10, km 161) wagen wir mit zwei Binnenschiffen und kommen problemlos durch. Doch wir hatten keine Unterlagen mit Telefonnummern, über die man sein Begehr anmelden könnte. Schon an der zweiten Schleuse (Ablon, km 150) blieb das Licht rot und nichts deutete darauf hin, daß man uns bemerkt hätte. Also aussteigen und vormaschieren zum Zaun der Schleuse, wo sich am Tor doch tatsächlich eine Sprechanlage befand. Offensichtlich wurde der Wunsch verstanden, denn es hieß „Pas problem“. Es werde nur noch auf ein Schiff der Berufsschifffahrt gewartet. Die Schleusen an diesem Abschnitt der Seine erscheinen riesig. Sie sind 185 m lang und 12 m breit. Zwei Frachtschiffe passen nebeneinander und bis zu drei hintereinander hinein. Zu zwei oder drei oder auch fünf Frachtschiffen paßt locker noch ein Sportboot.
Es sind genug Möglichkeiten zum Festmachen. Es gibt eine Leiter und kleine Poller in der Schleusenwand. Man muß eben die Taue mit steigendem Wasserstand umsetzen.

Draveil (Port aux Cerises) km 146

Je weiter es die Seine hochgeht, umso ländlicher wird die Gegend. Bald begleitet einen dichtes Grün am Ufer, die Bebauung wird niedriger. Es wird Zeit einen Liegeplatz für die Nacht zu suchen. Nach der Schleuse Ablon soll es bei km 147 in Vigneux einen Bootshafen an einem öffentlichen Park geben. Als wir links eine Einfahrt sehen, die sogar mit roten und grünen Tonnen markiert ist, sind wir tatsächlich schon in Draveil (Port aux Cerises, km 146). Die Marina bietet im Prinzip jeglichen Komfort, aber nur wenn man früh genug eintrifft und den Hafenmeister noch trifft. Wir bleiben am ersten Steg ohne Strom und Wasser liegen und brechen am 11. Juni relativ zeitig auf.

Es geht flott die Seine hoch und etwa alle Stunde kommt eine Schleuse, die wir mit wachsender Routine meistern. Um die Mittagszeit passieren wir Melun (ca. km 110), wo der Port de la Reine Blanche einen guten Eindruck macht. Es gibt viel Platz, Wasser und Strom. Wichtiger wäre für uns jetzt eine Tankstelle, denn der Füllstand im linken Tank ist gefährlich niedrig. Wieder werden schwere Gegenstände, wie Mineralwasserflaschen und Konserven nach Backbord verlegt, damit sich eine kalkulierte Schieflage ergibt.

Um 17:30 erreichen wir in Champagne-sur-Seine (km 83,5) die letzte Schleuse (Nr. 2) und kommen an die Einmündung des Flusses Loing und des Canal du Loing. Hier ist es so, wie man es sich an einem Knotenpunkt des Wasserstraßennetzes vorstellt. An den Ufern liegen Schiffe in allen Formaten und Saint-Mammès sieht aus, wie man sich in früheren Zeiten eine Hafenstadt vorgestellt hat. Immerhin ist St. Mammès der zweitgrößte Binnenhafen Frankreichs.

Hier gibt es auch eine Bunkerstation für Binnenschiffe, die steuerbegünstigten Diesel tanken, mit einer Zapfsäule für die Sportschiffer. Wir lassen uns 250 l geben, so daß der Tank nun zu knapp 90% gefüllt ist. Hier noch einen schönen Liegeplatz zu finden erscheint nahezu aussichtslos. Um 18:30 fahren wird in die erste Schleuse des Canal-du-Loing ein (Nr. 19, Moret, km 46,9) und erleben die erste handbetriebene Schleuse auf unserer Fahrt. Der Schleusenmeister dreht tatsichlich von Hand eine Kurbel und das Tor schließt sich. Auf jeder Seite ist eine Kurbel und es sind noch die Schieber zu bedienen, die das Wasser oben in Schleuse und unten wieder heraus sprudeln lassen. Eine Menge Handarbeit, aber es geht trotzdem relativ flott. Wenn das obere Tor auf der oberen Seite offen ist, muß der Schleusenmeister um die ganze Schleuse herum gehen, damit er an die Kurbel auf der anderen Seite kommt.

Moret-sur-Loing

In Sichtweite der Schleuse Moret gibt es einen Anleger mit drei Plätzen. Ein Schild weist es als Anlegestelle aus. Soviel französisch verstehen wir noch. Bei der zweiten Zeile (Amarrage payant) verlassen uns die Sprachkenntnisse und bei der angegebenen Telefonnummer hätten wir uns auch nicht verständlich machen können.

Die Stadt ist nicht weit, auch wenn der Weg über eine doch relativ viel befahrene Landstraße mit schmalen Gehwegen führt. Es ist ein nettes Städtchen mit mittelalterlicher Stadtmauer, Tortürmen und Resten der ehemaligen Mühlenbetriebe am Loing. Die alte Steinbrücke und das Tor sind nur einspurig zu befahren. Die untergehende Sonne  zaubert ein faszinierendes Licht auf die alten Gemäuer, das schon die Impressionisten geschätzt haben.

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